15.08.2014 Arbeitsrecht Urteile Gründung  

Augen auf in Sachen Stellenanzeigen und Diskriminierung

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ein vorgerücktes Lebensalter bei der Arbeitssuche nicht unbedingt hilfreich ist. Zwar haben ältere Bewerber in der Regel mehr Berufserfahrung vorzuweisen. Gleichwohl bevorzugen viele Unternehmen, insbesondere Startups, jüngere Kandidaten. Eine solche Präferenz sollte jedoch in einer Stellenanzeige besser nicht zum Ausdruck kommen, wie eine aktuelle Gerichtsentscheidung nahe legt.

Ein Unternehmen aus Norddeutschland hatte in einer Tageszeitung per Annonce nach einem Gebietsverkaufsleiter gesucht. Im letzten Absatz der Stellenanzeige, der mit der Überschrift „Ihre Perspektive“ betitelt war, wurde dem Bewerber in Aussicht gestellt, als „Mitglied eines jungen und motivierten Teams“ die Gelegenheit zu erhalten, den eigenen Verantwortungsbereich kontinuierlich auszuweiten. 

Ein rund 50-jähriger Bewerber erhielt auf seine Bewerbung eine Absage. Daraufhin ging er wegen Altersdiskriminierung gerichtlich gegen das Unternehmen vor und machte einen Anspruch auf Schadensersatz in Höhe von 13.500 Euro aus § 15 AGG geltend. Dabei scheiterte er zwar in erster Instanz. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein sprach ihm schließlich aber eine teilweise Entschädigung in Höhe von 2000 Euro zu (Urteil vom 29.10.2013 – 1 Sa 142/13). 

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Anzeige durch ihren Aufbau und ihre Wortwahl vorwiegend jüngere Bewerber anspreche. Da die strittige Formulierung bezüglich des „jungen und motivierten Team“ dem Absatz „Ihre Perspektive“ zugeordnet sei, müsse ein älterer Bewerber von vorneherein den Eindruck gewinnen, dass eine Bewerbung bei dem Unternehmen  wenig aussichtsreich sei. Von daher sei hier anders zu entscheiden als in einem vergleichbaren Fall, mit dem sich das Landesarbeitsgericht München zuvor befasst hatte. Auch dort war eine ähnliche Formulierung in einer Stellenanzeige zum Stein des Anstoßes geworden. Allerdings habe  sich diese in einem allgemeinen, einleitenden Absatz über das mitarbeitersuchende Unternehmen befunden, so dass ihr nicht dieselbe abschreckende Wirkung auf ältere Bewerber beizumessen sei. Da das Alter des Klägers aber nur einer von mehreren Ablehnungsgründen gewesen sei, sprach ihm das Gericht auch nur einen Teil der ursprünglich geforderten Summe zu.

Bei älteren Arbeitnehmern bzw. Arbeitssuchenden, die sich wegen der gestiegenen Dynamik des Arbeitsmarkts zunehmend ausgegrenzt fühlen, mag diese Entscheidung auf Zustimmung stoßen. Unternehmern auf Mitarbeitersuche hingegen wird man kaum verdenken können, wenn sie sich hierdurch in ihrer unternehmerischen Freiheit beeinträchtigt sehen. Schließlich dient es nicht zuletzt dem Zweck der Eigenwerbung, das eigene Unternehmen auch in Stellenanzeigen als „jung und dynamisch“ darzustellen und so für Bewerber wie für Kunden attraktiv zu machen. Ältere Bewerber von vorneherein abschrecken zu wollen und bei der Mitarbeiterauswahl zu diskriminieren, ist ihnen wegen solcher und ähnlicher in Stellenanzeigen häufig gebrauchter Formulierungen keineswegs zwingend zu unterstellen. Vorsichtige Unternehmer sollten angesichts dieser Rechtsprechung die Wortwahl ihrer Stellenanzeigen sorgfältig überprüfen. Wer sich nicht aus heiterem Himmel mit Schadensersatzforderungen von abgelehnten Bewerbern konfrontiert sehen will, sollte also darauf achten, dass in seine Ausschreibungen keine Art von Diskriminierung hineingedeutet werden kann. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf das Geschlecht des gesuchten Mitarbeiters. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, die gesuchte Berufsbezeichnung immer in beiden grammatikalischen Geschlechtern auszuschreiben (z.B. „Sekretär/Sekretärin gesucht“) oder die grundsätzliche Offenheit für Bewerbungen beiderlei Geschlechts durch ein „m/w“ nach der gesuchten Berufsbezeichnung deutlich zu machen. Potenzielle Vorwürfe wegen Altersdiskriminierung wird man wohl dadurch am ehesten vermeiden können, dass man entweder auf eine altersspezifische Charakterisierung  des eigenen Unternehmens („jung und dynamisch“) ganz verzichtet oder aber Bewerbungen aus jeder Altersstufe ausdrücklich begrüßt.  

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