11.10.2017 GmbH Gesellschafter Geschäftsführer  

Geschäftsführer-Verdienst: Wie viel ist angemessen?

Wie viel darf ein Geschäftsführer verdienen? Diese Frage beschäftigt regelmäßig Unternehmen, Geschäftsführer und die Finanzämter. Häufiger Streitpunkt zwischen den Unternehmen und der Finanzbehörde ist dabei, ob der Gesellschafter-Geschäftsführer – der sein Gehalt mitbestimmen kann – unangemessen hohe Zahlungen erhält. Denn dies könnte eine Gewinnverlagerung von der Gesellschaft zum Geschäftsführer bedeuten, eine sogenannte verdeckte Gewinnausschüttung. Der Geschäftsführer-Verdienst darf also nicht unangemessen hoch sein. Doch wann ist das Gehalt des Geschäftsführers angemessen? In diesem Beitrag erhalten Sie wichtige Informationen zur Festlegung einer angemessenen Vergütung, um ein steuerlich böses Erwachen zu vermeiden.

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Wer bestimmt den Verdienst eines Geschäftsführers?

Über die Höhe des Verdienstes des Geschäftsführers einer GmbH entscheidet grundsätzlich die Gesellschafterversammlung. Da vor allem Firmengründer häufig die Stellung eines geschäftsführenden Gesellschafters haben, legen sie ihren Lohn also selbst fest. Bei paritätisch mitbestimmten Kapitalgesellschaften entscheidet hingegen der Aufsichtsrat über die Frage der Vergütung. Unbedenklich ist die Höhe des Gehalts eines Geschäftsführers bei einem Fremdgeschäftsführer, also einer anderweitigen und nicht zu der Gesellschaft oder den Gesellschaftern gehörenden dritten Person und bei Gesellschafter-Geschäftsführern mit einer Beteiligung von weniger als 25%. Letzteres gilt jedoch nicht, soweit eine nahestehende Person beherrschender Gesellschafter ist.

So schaffen Sie Klarheit beim Geschäftsführer-Verdienst

Zwei Dinge sind maßgeblich für die steuerliche Beurteilung des Gehalts. Dies ist zum einen die vertragliche Grundlage für geleistete Zahlungen an den Geschäftsführer. Soll eine Gehaltszahlung geleistet werden, die seitens der GmbH als Betriebsausgabe deklariert wird, muss diese auf einem schuldrechtlichen Vertrag beruhen, der unabhängig vom Gesellschaftsverhältnis geschlossen wurde. Zum anderen muss aufgrund des wirksamen Anstellungsvertrags ein angemessenes Gehalt an den Geschäftsführer geleistet werden.

Das Problem der verdeckten Gewinnausschüttung

Bei unverhältnismäßig hohen Zahlungen, Rentenzusagen oder sonstigen Vergünstigungen liegt seitens des Finanzamtes schnell der Verdacht nahe, dass es sich um eine Gewinnverlagerung handelt. Dies stößt bei den Betroffenen regelmäßig auf Unverständnis, schließlich unterliegen die Einkünfte des Geschäftsführers der Einkommensbesteuerung. Jedoch ist diese für den Zahlungsempfänger meist eine steuerlich günstige Alternative zur Gewinnausschüttung. Zudem spart die Gesellschaft die Gewerbesteuer, da ein Gehalt als steuermindernde Betriebsausgabe anerkannt wird. Wird im Rahmen einer Betriebsprüfung eine solche Gewinnverschiebung durch das Finanzamt festgestellt, kommt es zu einer Korrektur der Einkommensermittlung auf Seiten der GmbH und des Geschäftsführers.

Das Kriterium der Angemessenheit

Ein entscheidendes Kriterium für die Prüfung der steuerlichen Einordnung der Vergütung eines Geschäftsführers ist die Angemessenheit. Bei der paritätisch mitbestimmten GmbH erfolgt diese Prüfung nach ähnlichen Grundsätzen, wie in § 87 Abs. 1 AktG, der die Grundsätze der Angemessenheitsprüfung bei Gehältern der Vorstandsmitglieder einer Aktiengesellschaft (AG) bestimmt. Da die Interessenlage der AG in diesem Fall mit der GmbH vergleichbar ist, sind die dort genannten Kriterien laut dem BGH auch bei der GmbH heranzuziehen. Danach darf das Gehalt des Geschäftsführers in keinem Missverhältnis zu seiner Leistung sowie der Lage der Gesellschaft stehen und die übliche Vergütung nicht ohne besondere Gründe übersteigen.

Angemessenheit der Vergütung aus steuerlicher Sicht

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs liegt eine verdeckte Ausschüttung vor, wenn die GmbH ihrem Gesellschafter außerhalb der gesellschaftsrechtlichen Gewinnverteilung einen Vermögensvorteil zuwendet und diese Zuwendung ihren Anlass im Gesellschaftsverhältnis hat. Bejaht wird diese normalerweise, wenn ein ordentlicher und gewissenhafter Gesellschafter den Vermögensvorteil einer Person, die nicht Gesellschafter ist, unter sonst gleichen Umständen nicht gewährt hätte. Es gilt der Grundsatz des Fremdvergleichs. Der Verdienst des Geschäftsführers gilt somit als angemessen, wenn ein Fremdgeschäftsführer bei gleicher Tätigkeit eine identische Vergütung bekommen würde. Hierbei ist eine Gesamtwürdigung der Umstände erforderlich. Um die Überprüfung einheitlicher zu gestalten, hat die Finanzverwaltung eine Reihe an Kriterien aufgestellt.

Prüfungskriterien der Finanzverwaltung

Es wurden drei Kriterien entwickelt. Zunächst ist zu prüfen, ob ein fremder Dritter bei identischer Tätigkeit und vergleichbarer Qualifikation ein Gehalt in selber Höhe erhalten hätte (Interner Fremdvergleich). Anschließend erfolgt ein Vergleich anhand der von der Oberfinanzdirektion Karlsruhe aufgestellten Tabelle (Externer Fremdvergleich). Die Tabelle gibt das durchschnittliche, als angemessen zu betrachtende Gehalt eines Geschäftsführers an und richtet sich dabei nach der Branche und dem Umsatz des Unternehmens.  Danach liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung grundsätzlich dann vor, wenn die Angemessenheitsgrenze um 20% überschritten wurde. Schließlich muss bei GmbHs mit einem hohen Ertrag vor den Ertragssteuern nach Abzug aller Vergütungen der Geschäftsführer ein Jahresüberschuss in mindestens der Höhe der gezahlten Geschäftsführergehälter verbleiben (Halbteilungsgrundsatz).

Anpassung der Vergütung

Eine Anpassung erfolgt grundsätzlich im Einvernehmen beider Parteien. Bei wesentlicher Verschlechterung der Geschäftslage, also einer schweren wirtschaftlichen Notlage der GmbH, kann der Geschäftsführer verpflichtet sein, einer Herabsetzung seines Gehalts zuzustimmen. Worauf diese Verpflichtung basiert, ist umstritten. Ob es nun auf der Treuepflicht des Geschäftsführers oder der analogen Anwendung des § 87 Abs. 2 AktG beruht, ist letztlich unerheblich. Auf eine Erhöhung der Vergütung hat der Geschäftsführer hingegen keinerlei Anspruch. Ausnahmsweise kann dieser eine solche verlangen, soweit er selbst Fremdgeschäftsführer ist oder aber in extremen Ausnahmefällen.

Quellen: heise.de, spiegel.de

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