21.09.2017 Urheberrecht Internet   Recht der Neuen Medien

Naruto und sein Affen-Selfie: Können Tiere Urheber sein?

Grüner Urwald im Hintergrund, ein wunderschönes Lächeln, ein offener Blick in die Kamera: Das klingt nach dem perfekt inszenierten Selfie – doch angefertigt hat es ein Affe aus Zufall. Wenn moderne Technologien es ermöglichen, dass Tiere Fotos schießen, dann entsteht ein Problem – und zwar urheberrechtlicher Natur. Wie geht man damit um? In diesem Fall entbrannte ein langer Rechtsstreit um die Urheberfrage, der nun durch einen Vergleich beigelegt worden ist.

© Stefan Richter / Adobe Stock

Affe nutzte die Gelegenheit für ein Selfie

Im Jahr 2011 reiste der Naturfotograf David Slater in die indonesische Provinz Nord-Sulawesi. Das Ziel seiner Reise war es, Aufnahmen der hier lebenden Makaken zu machen. Als der Brite seine Fotokamera für kurze Zeit unbeaufsichtigt ließ, griff sich der Makake Naruto die Kamera und schoss damit einige Aufnahmen, so auch ein Foto von sich selbst. Das Foto wurde bei Wikimedia veröffentlicht, worauf Slater die Website aufforderte, die Aufnahme zu entfernen. Er war der Ansicht, dass ihm das Urheberrecht an dem Bild zustehe. Wikimedia weigerte sich mit der Begründung, dass das Bild lizenzfrei sei. Auch das US Copyright Office stellte 2014 fest, dass keine Werke registriert werden könnten, die von Tieren hergestellt seien.

PETA kämpft für die Rechte von Affen – auch vor Gericht

Die Tierrechtsorganisation PETA wollte dies jedoch so nicht stehen lassen und klagte im Jahr 2015 zusammen mit einer deutschen Primatenforscherin vor einem kalifornischen Bundesgericht im Namen des Affen: Das Tier habe das Selfie zielgerichtet und in vollem Bewusstsein angefertigt. Ein langer Rechtsstreit um das Urheberrecht an dem Affen-Selfie entbrannte. Das Gericht sollte entscheiden, ob Naruto der Autor und Eigentümer der Rechte an seinem Selfie sei. PETA vertrat die Ansicht, das Urheberrecht könne auch einem Affen zustehen, wenn er die Aufnahme selbst getätigt habe und dies bewusst geschehen sei. Das Gericht folgte dieser Ansicht jedoch nicht. PETA ging in Berufung.

Streit wurde durch einen Vergleich beigelegt

Nun hat die Tierrechtsorganisation die Klage zurückgezogen und in einer gemeinsamen Erklärung mit Slater verkündet, einen Vergleich mit dem Fotografen geschlossen zu haben. Danach spendet der Brite 25 Prozent aller Einnahmen, die er mit den Fotos des Affen erzielt, an gemeinnützige Organisationen, die sich für den Schutz der Schopfaffen in Indonesien einsetzen. PETA ist durchaus zufrieden mit dem Vergleich, da nun mehr Geld für den Erhalt der Lebensräume von Makaken vorhanden ist. Und die übrigen Beteiligten des Affentheaters? Naruto ist durch den Streit weltbekannt geworden. Der Fotograf Slater verlor nach eigenen Angaben durch das Verfahren nicht nur viel Zeit, die hohen Prozesskosten waren ebenfalls eine deutliche Belastung für ihn.

Wie wäre die Urheberrechtslage in diesem Fall in Deutschland?

Würde solch ein Fall hierzulande vorkommen, wäre die Angelegenheit um einiges klarer. In Deutschland werden Selfies als Lichtbilder i.S.d. § 72 UrhG eingestuft, da diese weder künstlerische Gestaltungskraft noch inhaltliche Aussagen besitzen. Das Recht an der Veröffentlichung der Bilder steht dem Urheber zu. Laut Gesetz muss der Urheber Schöpfer des eigenen Werkes sein. § 2 Abs. 2 UrhG schützt Werke, die eine persönliche geistige Schöpfung darstellen. Da Tiere nicht rechtsfähig sind, können sie nicht Urheber einer persönlichen geistigen Schöpfung sein.

Quellen: heise.de, spiegel.de

 

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